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STEFANIE BARMET

Da das Schreiben nicht zu meinen Stärken gehört, hilft mir Stefanie Barmet bei meinem Newsblog. Selber gehört Steffi zur nationalen Mittelstrecken-Elite und kann daher meine Gefühle, Empfindungen und Gedanken bestens nachvollziehen. Die studierte Germanistin besitzt dazu noch das Talent diese Emotionen in Worte zu fassen. Viel Spass beim Lesen.

ÄDU GEWINNT SM-TITEL IM HALBMARATHON

Nachdem Ädu in Berlin eine klare 10-Kilometer-Bestzeit aufgestellt hatte, stellte er seine tolle Form auch am Switzerland Marathon Light in Sarnen über die Halbmarathondistanz unter Beweis.

Direkt aus dem Trainingslager in St. Moritz reiste Ädu an den Switzerland Marathon Light in Sarnen. Am Rennen rund um den Sarnersee wurden in diesem Jahr die Schweizermeistertitel im Halbmarathon vergeben. Nachdem er in Berlin seine 10-Kilometer-Bestzeit auf 29:20 Minuten gesteigert hatte, war der 31-Jährige der grosse Favorit auf den Schweizermeistertitel. Doch der Wettkampftag begann für den Oberaargauer alles andere als ideal. Ädu wachte mit Fuss- und Schienbeinschmerzen sowie einer Schwellung auf. «Ich zweifelte daran, ob ich überhaupt laufen sollte. Ich hatte so lange trainiert, war in guter Form und wollte diesen SM-Titel unbedingt gewinnen. Deshalb biss ich auf die Zähne und bereitete mich so gut wie möglich auf das Rennen vor.» Im Wettkampf gelang es Ädu, die Schmerzen komplett auszublenden. Die ersten zwölf Kilometer absolvierte er gemeinsam mit dem Belgier Nicolaï Saké, mit welchem er in St. Moritz trainiert hatte. «Ich fühlte mich sehr gut, ehe mich ein Krampf in der Bauchregion, der sich ähnlich wie Seitenstechen anfühlte, ausbremste.» In der Folge musste Ädu das Tempo drosseln und Nicolaï Saké ziehen lassen. So wuchs der Rückstand auf fast 150 Meter an. «Bei Kilometer 16, 17 realisierte ich, dass Nicolaï nicht mehr einzuholen war. Von hinten drohte aber auch keine Gefahr. Dementsprechend fiel es mir schwer, meine Komfortzone zu verlassen und mich zu pushen.» In einer Zeit von 65:35 Minuten erreichte Ädu das Ziel als Zweitplatzierter. Auf den Tagessieger büsste er 39 Sekunden ein.

Zuversicht trotz gesundheitlichen Problemen

«Obwohl ich mir im Vorfeld eine etwas bessere Zeit erhofft hatte, kann ich mit dieser Leistung sehr zufrieden sein. Ich war deutlich schneller als bei meinen bisherigen Starts in Sarnen», so der Athlet der LV Langenthal. In der Schweizer Wertung setzte sich Ädu mit einem Vorsprung von fast vier Minuten überlegen durch. «Ich habe mich riesig darüber gefreut, endlich wieder einmal einen Schweizermeistertitel zu gewinnen. Das macht mich stolz. Dass ich trotz Verletzung so schnell laufen konnte, wertet die Leistung zusätzlich auf.» Der Besuch beim Sportarzt am Tag nach dem Rennen gab Aufschluss über den Schweregrad der Verletzung. Die Schmerzen entstanden aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung und einer Infektion, welche eine Therapie mit Antibiotika erforderte. «Die Behandlung schlägt an und das Bein fühlt sich von Tag zu Tag besser an. Voraussichtlich sollte ich Ende Woche wieder laufen können. Dann wird sich zeigen, wie viel mich die Verletzung physisch gekostet hat und ob ich meine Form mit Hilfe von Alternativtraining aufrechterhalten konnte», so Ädu zuversichtlich. «Ich versuche ruhig zu bleiben und werde gemeinsam mit meinem Team entscheiden, ob ein Start in Berlin sinnvoll ist. Wenn ich starte, möchte ich fähig sein, meine Bestzeit anzugreifen.»

DER WEG NACH BERLIN STIMMT - 10-KILOMETER-BESTZEIT PULVERISIERT

An der Laufveranstaltung «The Great 10k» in Berlin von anfangs August konnte Ädu seine 10-Kilometer-Bestzeit deutlich verbessern. Der Weg Richtung Berlin Marathon scheint zu stimmen.

Dass Ädu den Schwung vom Marathon in Belp, bei dem er anfangs April mit 2:12.34 Stunden eine persönliche Bestzeit aufgestellt hatte, mitnehmen konnte, hat er in den letzten Wochen mehrfach aufgezeigt. Bereits im vierwöchigen Höhentrainingslager in St. Moritz, das für den 31-Jährigen nach Wunsch verlief, hatte sich die gute Form abgezeichnet. Am internationalen Laufwettkampf «The Great 10k», an dem rund 3’500 Laufbegeisterte teilnahmen, konnte er diese erstmals unter Beweis stellen. Das Rennen absolvierte Ädu zu grossen Teilen gemeinsam mit Dominik Rolli und Patrik Wägeli, mit denen er auch in den Gegenwindpassagen zusammenarbeitete. Im Schlussspurt konnte er sich gegen die nationale Konkurrenz durchsetzen und das Ziel als Fünftplatzierter erreichen. Seine Bestzeit konnte der Langenthaler dabei um ganze 45 Sekunden auf 29:20 Minuten senken. «Ich bin sehr zufrieden mit dieser Leistung und habe all meine Ziele erreicht. Endlich wieder an einem Rennen mit richtiger Wettkampfstimmung zu laufen, war zudem extrem schön.»

«SWITZERLAND MARATHON light» als Hauptprobe

Nach dem Rennen in Berlin absolvierte Ädu in Magglingen den ersten Teil der Trainer-B-Ausbildung. Im Anschluss reiste er ins Engadin, wo er den 2. Höhen-Trainingsblock im Hinblick auf den Berlin Marathon in Angriff nahm. Nach einer erfolgreichen Woche in St. Moritz zog die Trainingsgruppe rund um Fabienne Schlumpf und Ädu nach Sils Maria um. «Wir sind eine kleine Gruppe, die sich gegenseitig motiviert. Der Fassadenwechsel nach Sils mit neuen Laufstrecken in einer neuen Trainingsumgebung tat gut und brachte etwas Abwechslung in den Trainingsalltag.» Als positive Erfahrung wertet Ädu auch die Teilnahme am Engadiner Sommerlauf, den er innerhalb eines 35 Kilometer langen Trainingslaufes absolvierte. «Ich hielt mich brav an den Trainingsplan und lief die ersten 30 Kilometer meines Trainings im Grundlagenbereich. Dennoch hatte ich enorm Spass daran, gemeinsam mit anderen Laufbegeisterten zu laufen.» Der Formaufbau Richtung Saisonhöhepunkt Berlin Marathon, der am 26. September stattfindet, scheint zu stimmen. «Ich fühle mich sehr fit und bin zufrieden, wie die letzten Trainingsmonate verlaufen sind», so Ädu. Der nächste Fixpunkt im Hinblick auf das grosse Saisonziel bildet der «SWITZERLAND MARATHON light» in Sarnen vom kommenden Wochenende. «Das ist meine Hauptprobe. Auch wenn es sich dabei sicher nicht um die schnellste Strecke handelt, peile ich eine Zeit im Bereich meiner Bestzeit von 64.29 Minuten an. Ich möchte ein gutes Rennfeeling verbunden mit einem guten Rhythmus finden und natürlich den SM-Titel, der in Sarnen vergeben wird, gewinnen.»

VIER WOCHEN TEAMWORK IM HÖHENTRAININGSLAGER

Ende Juni reiste Ädu für vier Wochen ins Höhentrainingslager nach St. Moritz. Dabei konnte er von starken Trainingspartnern profitieren und grosse Fortschritte erzielen.

Auf die Bahnschweizermeisterschaften über 5000 Meter, welche Ende Juni in Langenthal stattfanden, musste Ädu aufgrund von Achillessehnenbeschwerden verzichten. Glücklicherweise bekam er die Probleme danach schnell in den Griff, so dass er einen vierwöchigen Höhenblock im Engadin absolvieren konnte. Gemeinsam mit Tadesse Abraham, seinem extra für die Olympiavorbereitung aus Äthiopien angereisten Trainingspartner Workneh Tesfa sowie mit Armin Flückiger und Patrik Wägeli legte Ädu rund um St. Moritz die Basis für sein nächstes Marathonrennen, welches voraussichtlich im Herbst stattfinden wird. «Wenn immer möglich, versuchte ich mit Tade und Worku mitzulaufen und so von ihren Fähigkeiten und ihrer Lockerheit zu profitieren. Die harten Belastungen absolvierte ich hingegen grösstenteils mit Armin und Patrik. Wir konnten uns gegenseitig pushen und motivieren. Der Teamspirit war genial.» Die Longruns konnte Ädu von Woche zu Woche bis auf 38 Kilometer steigern. In der letzten Woche erfolgte ein Longrun mit Endbeschleunigung in der angestrebten Marathonpace. «Ich fühlte mich dabei sehr gut und habe den Eindruck, dass ich in diesem Trainingslager einen grossen Schritt nach vorne gemacht habe.»

«Heiss» auf den nächsten Wettkampf

Neben idealen Trainingspartnern und -strecken, tollen Regenerationsmöglichkeiten mit Massagen von Worku und sehr leckerem Essen im Hotel trug auch die Betreuung und Velobegleitung durch Langstreckennationaltrainer Michi Rüegg, Luigi Nonella, Stefan Spahr oder durch Ädus Vater und Coach Ueli Lehmann einen wesentlichen Teil zum erfolgreichen Höhenblock bei. «Ich fühle mich nun richtig fit und habe viel Selbstvertrauen gewonnen», so Ädu. Nach zwei lockeren Trainingswochen zuhause in Bern möchte er seine gute Form anlässlich des Strassenrennens «The Great 10K», das am 8. August in Berlin ausgetragen wird, unter Beweis stellen. «Es ist höchste Zeit, dass ich die 10 Kilometer auf der Strasse endlich unter 30 Minuten laufe. Das Feld ist dafür ideal und meine Vorfreude auf den nächsten Ernstkampf ist riesig.» Nach dieser Standortbestimmung wird der 31-Jährige den nächsten Trainingsblock in Angriff nehmen.

HARZIGE RÜCKKEHR AUF DIE BAHN

Anlässlich der 10’0000-Meter-Schweizermeisterschaften auf der Bahn bestritt Ädu seinen ersten Wettkampf nach dem Marathonrennen in Belp. Mit dem Resultat zeigte sich der 31-Jährige nicht zufrieden.

Nach der Pulverisierung der persönlichen Bestzeit anlässlich des Marathons rund um den Flughafen Belp vom Ostersamstag gönnte sich Ädu eine mehrwöchige Laufpause. Der Wiedereinstieg ins Training gelang anschliessend wunschgemäss. Der Langenthaler konnte seine Trainingsumfänge Schritt für Schritt steigern und einen ersten Trainingsblock im Höhenzimmer absolvieren. Zum Abschluss dieser Aufbauphase folgte anlässlich der 10’0000-Meter-Schweizermeisterschaften in Uster ein erster Formtest. «Das Training nach dem Marathon und der Pause wieder zu intensivieren, brauchte sehr viel Zeit. Gegen Ende des Trainingsblockes verspürte ich eine grosse Müdigkeit und der Formanstieg liess auf sich warten. Aufgrund der Marathonbestleistung, die ich im April aufstellen konnte, habe ich dennoch mit einer persönlichen Bestzeit geliebäugelt und bin mit hohen Erwartungen nach Uster gereist», so Ädu. Dort lief es dem 31-Jährigen jedoch nicht wie erhofft. Anfangs konnte er noch gut mit der Spitzengruppe mitlaufen, doch als nach drei Kilometern eine Tempoverschärfung folgte, war es bereits um ihn geschehen. «Die fehlende Tempohärte machte sich sehr früh bemerkbar. Ich liess eine Lücke aufreissen und schaffte es anschliessend nicht mehr, voll ans Leistungslimit zu gehen und meine Komfortzone zu verlassen.» Das Ziel erreichte er als viertbester Schweizer in einer Zeit von 30:10 Minuten. Den Tagessieg holte sich Dominik Lobalu (LC Brühl) in einer Zeit von 28:32,72 Minuten vor dem Triathleten Max Studer (LV Langenthal), welcher in 28:51,79 Minuten ein starkes Bahndebüt gab und den Schweizermeistertitel gewann. Da Ädu nachträglich aufgrund einer Übertretung disqualifiziert wurde, zählt auch seine Zeit nicht als offizielles Resultat. «Das war ein Tag zum Vergessen. Die Touchierung geschah nicht absichtlich, so etwas ist mir noch nie passiert. Dennoch versuche ich nun positiv nach vorne zu schauen und hoffe, dass ich bei der Heim-SM in Langenthal über 5’000 Meter bereits in besserer Verfassung antreten kann.»

AUF DIE ZÄHNE GEBISSEN UND DIE BESTZEIT PULVERISIERT

Am Ostersamstag war es endlich soweit – in Belp wurde exklusiv für die besten Schweizer Marathonläuferinnen und -läufer ein Marathon ausgetragen. Ädu wusste seine Chance zu nutzen und steigerte seine Bestzeit bei viel Wind auf 2:12.34 Stunden.

Marathonläufer sind es sich gewohnt, ihre Rennen vor laufbegeistertem Publikum bei toller Stimmung zu absolvieren. Eine ganz andere Situation erwartete Ädu hingegen am Ostersamstag in Belp. Swiss Athletics hatte exklusiv für seine Topathleten einen Marathon auf die Beine gestellt, um ihnen so die Chance auf die Olympiateilnahme zu ermöglichen. Ursprünglich hätte der Qualifikationswettkampf bereits drei Wochen früher an selber Stätte stattfinden sollen. Wegen des schlechten Wetters wurde das Rennen über 42.195 Kilometer jedoch nach hinten verschoben. Auch am Ostersamstag waren die Bedingungen aufgrund von starkem Wind nicht ideal, davon beirren liessen sich die wenigen Topläuferinnen und -läufer, die sich der Mission Olympialimite stellten, jedoch nicht. Neun Runden à 4.4 Kilometer galt es dabei in Abwesenheit von Zuschauende zu absolvieren. Ohne Vorbereitungswettkampf über die Halbmarathon- oder die 10-Kilometer-Distanz stellte sich Ädu der Herausforderung Marathon. «Ich war einerseits voller Vorfreude, hatte andererseits aber auch grossen Respekt. Die übliche Wettkampfstimmung wollte ohne Zuschauende nicht recht aufkommen.» Am Start war der 31-Jährige dennoch hellwach und schlug von den ersten Metern an ein hohes Tempo an. «Dank der Windunterstützung fühlten sich diese ersten Kilometer sehr locker an und ich lag unter meinem angestrebten Kilometerschnitt von 3:10 Minuten.» Bereits in den ersten Gegenwindpassagen konnte Ädu von seinen Pacemakern profitieren und in deren Windschatten Kräfte sparen. Auch nach zehn absolvierten Kilometern war die angeschlagene Pace deutlich höher als ursprünglich geplant. «Ich fühlte mich dabei sehr gut und entschied intuitiv, gemeinsam mit meinen Pacern in diesem Rhythmus weiterzulaufen und den Angriff auf die bei 2:11.30 Stunden angesetzte Olympialimite zu wagen.»

Das Optimum herausgeholt

Auf die Pacemaker rund um Kevin Blackney und Tadesse Abraham war Verlass. Die Halbmarathondistanz absolvierte Ädu in 65:48 Minuten, womit er lediglich drei Sekunden über dem Fahrplan für das Olympiaticket lag. «Der Blick auf die Uhr motivierte mich extrem, gleichzeitig wurde mir jedoch bewusst, dass ich extrem viel Risiko eingegangen war. Doch nun gab es kein Zurück mehr.» Ungefähr bei Kilometer 25 beendeten Tadesse Abraham und Kevin Blackney das Rennen. Nun war es insbesondere Dominic Lombalu, der Ädu bis Kilometer 31 Windschatten spendete und tatkräftig unterstützte. «Ab Kilometer 30 war es brutal hart. Ich begann von Runde zu Runde zu denken und musste bereits da auf die Zähne beissen. Bei Kilometer 31 beendete Dominic nach sensationeller Führungsarbeit das Rennen, zwei Kilometer später stieg auch mein letzter Pacemaker, Michael Gras, aus, wodurch ich auf mich alleine gestellt war.» Es folgten zwei Gegenwind- und eine Rückenwindpassage. «Ich versuchte locker zu bleiben und zu akzeptieren, dass ich nun etwas langsamer werden würde. Ich wusste, dass ich auf Kurs für eine tolle Bestzeit war und versuchte, mich daran zu motivieren und durchzubeissen.» In der letzten Passage versuchte der Langenthaler all die positiven Emotionen aufzunehmen und sich irgendwie durchzukämpfen. Der letzte Kilometer wurde zu einem Kampf gegen den Wind und den eigenen Körper. Ein Kampf, der mit einer sensationellen Bestzeit belohnt wurde. Seinen alten Bestwert aus dem Jahr 2015 verbesserte Ädu um mehr als zweieinhalb Minuten auf 2:12.34 Stunden. Dies ist die fünftbeste Zeit eines Schweizer Marathonläufers. «Ich bin extrem happy mit meiner Leistung, da ich das Optimum herausgeholt habe.»

VIER WOCHEN BIS ZUM TAG X

In vier Wochen fällt in Belp der Startschuss zum erstmals ausgetragenen Marathonrennen – ein Wettkampf, an dem nur Schweizer Topläuferinnen und -läufer startberechtigt sind. Es dürfte die letzte Chance sein, um sich für die Olympischen Sommerspiele in Tokio zu qualifizieren.

Für Marathonläufer sind es keine einfachen Zeiten. Statt wie üblich mehrere Vorbereitungsrennen über Unterdistanzen zu bestreiten und einen schnellen und gutbesetzten Frühlingsmarathon im nahen Ausland vorzubereiten, gilt es 2021 jede Chance auf einen Wettkampfstart wahrzunehmen. Konkret bedeutet dies, dass ein Grossteil der besten Schweizer Marathonläuferinnen und -läufer am 14. März in Belp über die Distanz von 42.195 Kilometer an den Start gehen wird und so die wohl letzte Chance auf eine Olympiaqualifikation realisieren möchte. Dazu zählt auch Ädu. «Die Vorbereitungen laufen gut und mein Trainingsstand ist sehr erfreulich. Der Höheneffekt wirkt sich positiv auf meine Form aus. Die extremen Wetterverhältnisse der letzten Tage machen es jedoch schwierig, hochintensive Einheiten im Freien zu absolvieren. Mehrfach bin ich deshalb aufs Laufband ausgewichen. Dementsprechend kann ich nicht genau abschätzen, wo ich momentan stehe», so Ädu.

Mehrere Unsicherheitsfaktoren

Kommt hinzu, dass in diesem Jahr sämtliche Vorbereitungsrennen wegfallen. «Für mich ist dies unverständlich. In der Halle werden für Kaderathleten mehrere Meetings organisiert, im Freien gibt es jedoch abgesehen vom Marathonrennen in Belp keine einzige Startmöglichkeit. Wir Marathonläufer haben fast ein halbes Jahr lang trainiert und werden danach lediglich an einem Rennen gemessen. Das Selbstvertrauen über gute Wettkampfleistungen aufzubauen und Wettkampfroutine zu sammeln, ist momentan unmöglich.» Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist das Wetter. Neben Kälte könnte den Startenden auf der offenen Strecke in Belp auch starker Wind zu schaffen machen. «Zudem ist kein Publikum zugelassen. Ich habe grossen Respekt, die neun Runden à 4.4 Kilometer ohne Unterstützung von Fans zu laufen. Darauf muss ich mich mental sehr bewusst vorbereiten.» Optionen, zu einem späteren Zeitpunkt ein Rennen im Ausland zu laufen, sind nach wie vor nicht vorhanden. «Das Teilnehmerfeld ist gut und nun werde ich alles daransetzen, mich in jenen Bereichen, die ich beeinflussen kann, so gut wie möglich vorzubereiten, um am Tag X in Topform am Start zu stehen.»

TRAININGSLAGER MONTE GORDO

Um dem Winter zu entfliehen reiste Ädu für zwei Wochen an die Algarven. Gemeinsam mit Patrik Wägeli bereitete er sich in Monte Gordo auf den geplanten Marathonstart in Belp vor.

Für zwei Wochen zog es Ädu ins Läufermekka Monte Gordo, wo er sich gemeinsam mit Patrik Wägeli auf den im März in Belp angestrebten Marathonstart vorbereitete. «Ich kann auf zwei äusserst erfolgreiche Wochen zurückblicken. Sowohl quantitativ als auch qualitativ haben wir sehr gut trainiert und ich hatte keine Beschwerden. Trotz einem Ruhetag pro Woche bin ich mit 165 und 185 Kilometern so hohe Wochenumfänge gelaufen wie in den letzten vier Jahren nicht mehr. Der Weg Richtung Marathon stimmt.» Trotz stark ansteigenden Fallzahlen in Portugal erlebte Ädu die Situation vor Ort positiv. «Im Hotel wurden die Hygienevorschriften und Abstandsregeln akribisch umgesetzt und kontrolliert. Zudem wurde allen Gästen vor den Mahlzeiten die Temperatur gemessen. Das gab uns Sicherheit und wir konnten uns voll und ganz auf das Training konzentrieren.»

Trainingsblock im Höhenzimmer

In der ersten Woche herrschten für die Algarven vor allem am Morgen eher milde Temperaturen von 0 bis 5 Grad, die sich dann gegen Mittag auf 10 bis 15 Grad einpendelten. In der zweiten Woche war es dann mit Spitzentemperaturen um 20 Grad herum deutlich wärmer. «Fürs Training waren die Bedingungen ideal. Nun bin ich zurück in der Schweiz und lebe für die nächsten 4 Wochen im Höhenzimmer.» Das grosse Ziel ist der in Belp ausgetragene Marathon vom 14. März. Aufgrund der momentanen Situation ist kein Vorbereitungswettkampf in Sicht. «Das ist natürlich nicht ideal. Dennoch bleibe ich positiv, konzentriere mich aufs Training und auf jene Aspekte, die ich beeinflussen kann.»

VIRTUELLER SIEG ZUM SAISONABSCHLUSS

Als Abschluss einer speziellen Saison absolvierte Ädu am vergangenen Samstag beim Flughafen Belp ein virtuelles Rennen über zehn Kilometer. Die Zeit von 30:29 Minuten zeigt die grossen Trainingsfortschritte der vergangenen Wochen auf.

Während im Herbst die Schweizer-Strassenlaufmeisterschaften über 10 Kilometer sowie im Halbmarathon nachgeholt werden konnten, sorgte die zweite Coronawelle in den Monaten November und Dezember für die erneute Absage diverser Laufveranstaltungen. Ädu, welcher sich in den vergangenen Monaten nach einem im Juli erlittenen Bänderriss zu alter Stärke zurückgekämpft hatte, wollte seine gute Form dennoch unter Wettkampfbedingungen testen und entschied sich deshalb dafür, an der virtuellen Austragung des Staaner Stadtlaufes teilzunehmen. So absolvierte er am vergangenen Samstag den zehn Kilometer langen Lauf auf jener Strecke beim Flughafen Belp, auf der bereits die 10-Kilometer-Strassenlaufmeisterschaften stattgefunden hatten. Begleitet wurde er dabei von seinen Eltern, welche das Rennen als Zuschauerin sowie als Vorfahrer hautnah mitverfolgten. Ädus Mitbewohner und Trainingskollege Marcel Berni absolvierte zudem die ersten sowie die letzten drei Kilometer des Laufes. «Ich habe in den letzten Wochen sehr gut trainiert, sowohl was die Umfänge als auch die Qualität der Trainingseinheiten angeht. Auch wenn ich mich im Vorfeld wie auf einen richtigen Wettkampf vorzubereiten versuchte, kam weder richtige Wettkampfstimmung noch Anspannung auf.» 

Start in die Marathonvorbereitung

Die kalten Temperaturen um 0 Grad herum machten Ädu zusätzlich das Leben schwer. «Es war zu kalt, um richtig schnell zu laufen. Bei Windstille lief es mir auf dem flachen, schnellen Streckenkurs bis sechs Kilometer recht gut, doch danach wurde es extrem hart und ich musste auf die Zähne beissen. Ohne Zuschauer und Gegner, fiel mir dies besonders schwer.» Dennoch kämpfte sich Ädu durch und wurde mit einer guten Zeit von 30.29 Minuten belohnt. Damit war er deutlich schneller als noch an den Schweizermeisterschaften von Ende September, als die Uhren nach 30.53 Minuten stoppten. «Diese Leistungssteigerung zeigt mir, dass ich in den vergangenen Monaten gut gearbeitet habe. Leider konnte ich nur wenige Rennen laufen, wodurch sich meine Form nicht in den Wettkampfresultaten widerspiegelt.» Nächste Woche startet der 30-Jährige die mehrmonatige Marathonvorbereitung. Voraussichtlich wird er im März auf heimischem Boden einen Marathon bestreiten.

KLARER AUFWÄRTSTREND

Drei Wochen nach den nationalen Strassenlaufmeisterschaften über 10 Kilometer wurden auch die Schweizermeisterschaften im Halbmarathon im Belpmoos ausgetragen. Ädu gelang dabei eine beachtliche Leistungssteigerung.

Die Schweizermeisterschaften im Halbmarathon fanden am vergangenen Sonntag auf einem flachen Rundkurs beim Flughafen Belp statt. In Abwesenheit von Julien Wanders und Tadesse Abraham, welche die Schweizer Farben an den Halbmarathonweltmeisterschaften in Polen vertraten, konnte sich mit Andrea Salvisberg (LC Regensdorf) etwas überraschend ein Triathlet durchsetzen. Der Olympiateilnehmer siegte in einer guten Zeit von 64:44 Minuten und konnte dabei die Spezialisten Morgan Le Guen (Stade Genève) sowie den Bergläufer Dominik Rolli (STB) um sieben respektive acht Sekunden distanzieren. Drei Monate nach dem Bänderriss im Höhentrainingslager in St. Moritz konnte Ädu erwartungsgemäss noch nicht um die Medaillen mitlaufen. Gegenüber den Schweizermeisterschaften über 10 Kilometer gelang dem 30-Jährigen jedoch eine beachtliche Leistungssteigerung. Während er vor drei Wochen das Ziel nach 30:53 Minuten erreicht hatte, betrug seine 10-Kilometer-Durchgangszeit am Samstag 30:49 Minuten. «Auch die Laufökonomie sowie das Laufgefühl haben sich in den dazwischenliegenden Trainingswochen enorm verbessert. Vom enttäuschenden Resultat anlässlich der 10-Kilometer-SM versuchte ich mich nicht aus dem Konzept zu bringen und hielt an meinem Aufbau fest, was sich rückblickend positiv ausgewirkt hat.»

Teamwork endet in packendem Schlusssprint

Zu Rennbeginn war Ädu in den vordersten Positionen vertreten. Der Tempoverschärfung vom ausser Wertung laufenden Tagessieger Dominic Lokiinyomo Lobalu konnte er jedoch nicht folgen und musste die Spitzengruppe, der auch die späteren SM-Medaillengewinner angehörten, ziehen lassen. «Ich versuchte von da an meinen eigenen Rhythmus zu laufen und den Abstand auf die Spitzengruppe so klein wie möglich zu halten. Nachdem mich Patrik Wägeli eingeholt hatte, arbeiteten wir gut zusammen und wechselten uns in der Führungsarbeit ab.» Das Duo konnte den zurückfallenden Eric Rüttimann einholen und in der Folge abschütteln. Der Rückstand auf die Spitzenläufer war jedoch bereist zu gross geworden, um noch bei der Medaillenvergabe mitmischen zu können. So lieferten sich die beiden Marathonspezialisten ein spannendes Duell um die Ränge vier und fünf mit dem besseren Ende für Patrik Wägeli. «Ich versuchte das Rennen von vorne zu kontrollieren, doch Patrik hielt sich geschickt zurück und forcierte erst auf den letzten 200 Metern einen vehementen Angriff, den ich leider nicht mehr kontern konnte.» Die Uhren stoppten für die beiden nach 65.41 Minuten. «Dass ich den Schlussspurt so knapp verloren habe und wir Spezialisten uns von einem Triathleten sowie einem Bergläufer geschlagen geben mussten, fuchst mich etwas. Gleichzeitig muss ich mit meiner Leistung zufrieden sein. Mir gelang in den letzten Wochen eine tolle Steigerung. Die fehlende Tempohärte werde ich mir nun weiter erarbeiten. Anlässlich der Cross-Schweizermeisterschaften, die am 15. November in Regensdorf stattfinden, sollte ich bereits wieder einen grossen Schritt weiter sein.»

ZURÜCK AN DER STARTLINIE

Nach nur zwei Wochen Vorbereitungszeit startete Ädu an den nationalen Strassenlaufmeisterschaften über zehn Kilometer. In 30.53 Minuten lief er auf den siebten Rang.

Vor rund 2.5 Monaten zog sich Ädu im Höhentrainingslager in St. Moritz einen Bänderriss im Sprunggelenk zu. Nach erfolgreich verlaufener Reha konnte er Schritt für Schritt wieder ins Lauftraining einsteigen. Vor zwei Wochen reiste er erneut ins Engadin, wo er erstmals wieder täglich die Laufschuhe schnürte. «In der zweiten Trainingslagerwoche konnte ich vereinzelt schon wieder zweimal täglich laufen, vom normalen Laufpensum bin ich aber noch ein grosses Stück entfernt», so der 30-Jährige. Mit nur vier Laufbelastungen in den Beinen startete er an den nationalen Strassenlaufmeisterschaften über zehn Kilometer, die am vergangen Sonntag in Belp nachgeholt wurden. «Ich hatte grosse Lust, endlich wieder einmal Wettkampfluft zu schnuppern und auf der Strecke unweit meiner Haustür, auf der ich schon unzählige Trainingseinheiten absolviert habe, zu laufen.» Das Rennen, welches von Tadesse Abraham in guten 28.30 Minuten gewonnen wurde, beendete Ädu am Sonntag nach 30.53 Minuten als siebtbester Schweizer. «Vom Start weg war das Rennen aufgrund der fehlenden Vorbereitung für mich sehr hart. Ich lief die gesamte Distanz ohne Uhr und verliess mich auf mein Gefühl. Auch wenn mir in gewissen Rennsituationen die Entschlossenheit fehlte, gelang mir taktisch und mental eine gute Leistung. Zeitlich habe ich mir zwar etwas mehr erhofft, rangmässig sowie mit den Rückstanden auf die vor mir klassierten Schweizer darf ich nach der kurzen Vorbereitung aber zufrieden sein.» Bereits in drei Wochen werden in Belp die Halbmarathonschweizermeisterschaften ausgetragen, wo Ädu wiederum an den Start gehen wird. «Nun gilt es weiter an der Form zu arbeiten und Fortschritte zu machen. Auch den Halbmarathon werde ich noch nicht in Topform bestreiten können. Ich bin mir aber sicher, dass ich in drei Wochen schon deutlich fitter sein werde.»

ÄDU WIRD DURCH BÄNDERRISS ERNEUT AUSGEBREMST

Nach wochenlangen Achillessehnenproblemen, welche Laufbelastungen verhinderten, ging es für Ädu endlich wieder aufwärts. Im Höhentrainingslager in St. Moritz konnte er bei idealen Trainingsbedingungen tagtäglich Fortschritte erzielen. «Ich konnte mich von Training zu Training steigern, absolvierte gute Belastungen in einer starken Trainingsgruppe und konnte auch mit dem neuen Wettkampfschuh ASICS METARACER erste gute Erfahrungen sammeln.» Doch wie schon so oft in den vergangenen Jahren wurden Ädu erneut Steine in den Weg gelegt – für einmal sogar wortwörtlich.  Auf einem lockeren Footing in der Gruppe trat er auf einen Stein. «Es ist für mich richtig dumm gelaufen. Ich war wohl etwas unkonzentriert und übersah den Stein, übertrat mir als Folge den Fuss und riss mir so die Bänder.» Einmal mehr gilt es nun abzuwarten und dem Körper die nötige Ruhe zu geben, damit er sich vollständig von der Verletzung erholen kann. «In der ersten Phase gilt es nun den Fuss konsequent ruhig zu stellen. Ich hoffe, dass ich aber schon bald wieder alternativ trainieren und so meine aufsteigende Form konservieren kann.» Wie viel Zeit die vollständige Genesung in Anspruch nehmen wird, hängt davon ab, wie gut die Bänder zusammenwachsen und wie stabil sie sind.

DIE UNSICHERHEIT LÄUFT MIT

Aufgrund von muskulären Probleme musste Ädu den Halbmarathon in Barcelona vor einem Monat aufgeben. Das Coronavirus macht zurzeit auch vor der Sportwelt nicht Halt und führt zu Planungsunsicherheit.

Vor gut einem Monat nahm Ädu mit dem Ziel die EM-Limite zu unterbieten am Halbmarathonrennen in Barcelona teil. Muskuläre Probleme zwangen den 30-Jährigen jedoch zur vorzeitigen Aufgabe. «Das Trainingslager in Monte Gordo hat mich an meine Grenzen getrieben. Nach Barcelona benötigte mein Körper Erholung, die ich ihm auch gegeben habe. In den letzten Wochen bin ich einmal täglich gelaufen und habe die zweite Einheit alternativ absolviert.» Das Coronavirus, das zurzeit weltweit für Todesopfer sorgt, führt zu zahlreichen abgesagten Laufwettkämpfen. «Ursprünglich wollte ich in Rom Ostia einen weiteren Halbmarathon laufen. Alternativ stand ein Start an der Cross-SM zur Diskussion – beide Rennen wurden abgesagt. Auch die Durchführung des Kerzerslauf steht auf der Kippe. «Ob ich am 5. April den Halbmarathon in Berlin und am 26. April den Marathon in Zürich bestreiten kann, steht in den Sternen. Momentan läuft die Unsicherheit mit. Dennoch versuche ich mich bestmöglich auf die kommenden Rennen vorzubereiten. Ich kann die Situation nicht beeinflussen.» Momentan lebt Ädu wieder im Höhenzimmer. «Ich habe aus der Erfahrung in Monte Gordo gelernt und versuche nun, meinem Körper etwas mehr Erholung zu geben. Der kleine Schritt zurück wirft mich nicht aus der Bahn. Ich bin überzeugt, dass ich die EM-Limite in den Beinen habe.»

ÜBER MONTE GORDO NACH BARCELONA

Seit dreieinhalb Wochen weilt Ädu in Monte Gordo, wo er sich intensiv auf die bevorstehende Saison vorbereitet. Am Sonntag steht mit dem «Mitja Marató de Barcelona» ein erster wichtiger Wettkampf bevor.

Nicht zum ersten Mal in seiner Karriere weilt Ädu für ein Trainingslager an der portugiesischen Algarve, wo er ideale Trainingsbedingungen vorfindet. Während er in der ersten von insgesamt vier Trainingswochen aufgrund einer Erkältung noch leichte Anpassungen vornehmen musste, konnte er in den folgenden Wochen sehr gut und viel trainieren. «Der spezielle Fokus lag auf den langen Belastungen von bis zu 20 Kilometern. Dabei lief ich Geschwindigkeiten zwischen der Halbmarathon- und der Marathonpace. Die Trainings haben gezeigt, dass mein Weg stimmt.» Das erfolgreiche Abschlusstraining, welches Ädu am vergangenen Samstag absolvierte, stärkt die Zuversicht des 30-Jährigen zusätzlich. «Ich habe mich während der letzten harten Belastung sehr gut gefühlt und freue mich nun extrem auf den ersten Ernstkampf der Saison.»

Minimalziel: EM-Limite

Am Donnerstag wird Ädu via Lissabon nach Barcelona reisen, wo er am Sonntag anlässlich des «Mitja Marató de Barcelona» über die Halbmarathondistanz antreten wird. «Nun steht die Erholung und ultimative Wettkampfvorbereitung im Vordergrund. Am Freitag und Samstag werde ich mir die Strecke anschauen, die Startnummer abholen und versuchen, die Stimmung aufzunehmen.» Der Startschuss erfolgt am Sonntagmorgen bereits um 8:45 Uhr. «Das Elite-Feld ist gut und dicht besetzt, was mich zusätzlich motiviert. Ich werde versuchen, möglichst früh einen guten Rhythmus zu finden und nicht zu schnell zu starten, so dass ich auf der zweiten Streckenhälfte hoffentlich noch zulegen kann.» Als Minimalziel hat sich der Langenthaler, dessen Bestzeit seit 2016 bei 1:04:29 Stunden steht, das Unterbieten der EM-Limite von 1:05:45 Stunden gesetzt. «Ich bin überzeugt, dass ich bei einem guten Rennen und guter Tagesform meine Bestzeit angreifen kann. Läuft es optimal, wäre eine Zeit unter 64 Minuten mein Traumziel. Die Saison ist aber noch lang und nun gilt es vorerst die EM-Limite zu unterbieten.»

SPONTANER WETTKAMPFSTART ZUM JAHRESENDE

Spontan entschied sich Ädu dafür, das Jahr 2019 mit einem Start am Gippinger Stauseelauf zu beenden. Über die 7.53 Kilometer lange Strecke musste er sich nur dem in Basel wohnhaften Marokkaner Ahmed El Jaddar geschlagen geben.

Anstatt die letzte Laufbelastung des Jahres alleine zu absolvieren, entscheid sich Ädu kurzerhand für einen Start am Gippinger Stauseelauf. Die flache Strecke führte über die Distanz von 7.53 Kilometer. Mit dem Marokkaner Ahmed El Jaddar sowie dem gebürtigen Äthiopier Tefera Mekonen waren starke Herausforderer gemeldet. Bereits nach 300 gelaufenen Metern nahm der in Basel wohnhafte Marokkaner das Zepter in die Hand und übernahm vor Ädu die Führung. Den ersten Kilometer absolvierte das Duo in 2:50 Minuten. «Ich realisierte schon früh, dass ich dieses hohe Tempo nicht lange durchlaufen kann und liess eine Lücke aufreissen, die sich bis zum vierten Laufkilometer kontinuierlich vergrösserte. Zeitweise betrug mein Rückstand bis zu 150m, was auch etwas an meiner Moral nagte. Genau eine solche Challenge hatte ich gesucht, nun gelang es mir nicht, mitzulaufen. Ich versuchte fortan mein Rennen gut fertig zu laufen und El Jaddar noch etwas näher zu kommen.» Um den ganzen Rückstand wett zu machen, reichten die Kräfte jedoch nicht. 19.6 Sekunden nach Ahmed El Jaddar erreichte Ädu das Ziel als Zweitplatzierter. Tefera Mekonen folgte mit einem Rückstand von über einer Minute auf Rang drei. «Im Ziel überwog vorerst die Enttäuschung, hatte ich mir im Vorfeld nicht weniger als den Sieg und eine Zeit im Bereich der Siegerzeit zum Ziel gesetzt. Auch wenn ich beide Ziele verpasst habe, darf ich zufrieden sein. Ich lief aus dem Training heraus die viertbeste Zeit, die am Gippinger Stauseelauf je erreicht wurde, und erfüllte den beabsichtigen Trainingszweck auf alle Fälle. Der Lauf war eine schöne Art, das Laufjahr 2019 zu beenden.» Nun liegt der Fokus bereits auf der bevorstehenden Saison. In zwei Wochen reist Ädu nach Portugal, wo er sich auf den Halbmarathon in Barcelona vorbereiten wird. In Spanien will er die EM-Limite unterbieten.»

FÜNFTER RANG ZUM JAHRESABSCHLUSS

Am Silvesterlauf in Zürich bestritt Ädu das Elite-Ausscheidungsrennen, welches auf einer 330 m langen Runde rund um das Fraumünster herumführte. Mit Rang fünf in einem starken Feld gelang ihm ein guter Saisonabschluss.

Nach dem Sieg am Steinhölzlilauf vor zwei Wochen stellte sich Ädu am Sonntag in Zürich der Konkurrenz. Mit Tadesse Abraham, Eric Rüttimann und Matthias Kyburz waren drei der zurzeit stärksten Schweizer Strassenläufer am Start. Das Eliterennen war als Ausscheidungsrennen konzipiert. Ab der vierten Runde schied jeweils der letzte Läufer aus dem Rennen aus, nach 14 Runden wurde das Feld auf fünf Läufer dezimiert. «Meine Vorfreude auf diese spezielle Herausforderung war gross. Ich hatte in den vergangenen Wochen im Hinblick auf den Halbmarathon in Barcelona viel Zeit und Energie in die Trainingseinheiten auf der Unterdistanz investiert. Dennoch wusste ich im Vorfeld nicht so genau, was mich erwartete und wo ich im Vergleich mit der Konkurrenz wirklich stehe.»

Eigene Erwartungen erfüllt

Von Beginn an drückten die Läufer auf der engen, mit vier Ecken versehenen Strecke auf’s Tempo. Ädu wurde vom schnellen Start etwas überrumpelt und fand sich nach der ersten Runde im hinteren Drittel des Feldes wieder, wo das Rennen sehr unruhig und der Rückstand auf die Spitzengruppe bereits gross war. Nach gut drei Runden zog sich das Feld etwas in die Länge. In der Folge fand Ädu seine Pace und es gelang ihm, jeweils in den Geraden einige Läufer ein- und überzuholen. «Matthias Kyburz, Marcel Berni und Jonas Schöpfer, welche um die Ränge vier und fünf kämpften, hatte ich stets im Blickfeld.» Als sich Orientierungsläufer Matthias Kyburz von seinen beiden Verfolgern lösen konnte, ergriff Ädu die Initiative und überholte Marcel Berni und Jonas Schöpfer. «Es gelang mir, gegenüber Matthias an Boden gut zu machen. Die Tatsache, dass 800-Meter-Spezialist Jonas Schöpfer direkt hinter mir lief, verunsicherte mich im Hinblick auf den letzten Cut, der nach Runde 14 folgte, aber. Statt mit letzter Konsequenz nach vorne zu laufen, versuchte ich Kräfte für einen möglichen Schlussspurt zu sparen.» Den Verbleib in den Top-5 schaffte Ädu problemlos. Der Abstand zur Spitze war aber bereits zu gross. «Um in der letzten Runde noch einmal aufzudrehen und Matthias einzuholen, fehlten mir die Kräfte. Der 5. Rang ist ein gutes Resultat zum Saisonabschluss, womit ich meine Erwartungen erfüllt habe. Dennoch ärgere ich mich etwas, dass ich nicht näher an die Top drei herangekommen bin.»

GELUNGENER WIEDEREINSTIEG

Nach einer dreiwöchigen Trainingspause nahm Ädu Ende Oktober das Training wieder auf. Am Steinhölzlilauf vor der eigenen Haustür absolvierte er einen ersten erfolgreichen Formtest.

Drei Wochen dauerte die Pause, die Ädu seinem Körper nach dem erfolgreichen Marathoncomeback in Berlin gönnte. Eine dieser drei Wochen verbrachte er mit Ochsner Sport Travel und Kuoni Sports auf Fuerteventura, wo er für die Teilnehmenden das Lauftraining leitete. «Insgesamt habe ich mich sehr gut vom Marathon erholt. Nach der Pause folgten drei Wochen mit moderater Trainingsintensität. Es ging darum, wieder langsam in den Trainingsrhythmus zu finden.» Am vergangenen Wochenende schloss Ädu den ersten intensiveren dreiwöchigen Trainingsblock ab. Der Fokus lag dabei auf der Vorbereitung für den Halbmarathon in Barcelona vom 16. Februar. «Dort möchte ich die EM-Limite unterbieten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss ich unten raus schneller werden. Daran arbeiten wir momentan intensiv. Auch bei härteren Trainings fühle ich mich von Woche zu Woche besser und konnte bereits grosse Fortschritte erzielen.»

Sieg vor der Haustür

Als ersten Formtest wählte Ädu den zehn Kilometer langen Steinhölzlilauf vor der Haustür seiner Wohngemeinschaft im Liebefeld. «Ich hatte keine allzu grossen Erwartungen und nahm mir vor, die Trainingsleistung so gut wie möglich unter Wettkampfbedingungen umzusetzen. Ich fühlte mich bereit und freute mich, endlich wieder einmal die Wettkampfschuhe schnüren zu dürfen.» Mit Orientierungsläufer Florian Howald, Tefera Mekonen und Andreas Kempf waren namhafte Läufer am Start. Bereits nach der ersten Runde, welche auf der Bahn absolviert wurde, konnte sich Ädu gemeinsam mit Tefera Mekonen und Andreas Kempf vom restlichen Feld absetzen. Nach 3.2 Kilometer musste auch Ädus ehemaliger Mitbewohner abreissen lassen. Ädu und Tefera lieferten sich fortan ein hochkarätiges Duell. «Wir sorgten immer wieder für Tempowechsel und versuchten uns so gegenseitig müde zu laufen. Ich fühlte mich dabei sehr gut und konnte mich in den moderateren Rennphasen extrem gut erholen, was für meine gute Basis und Regenerationsfähigkeit spricht. Vor dem letzten Anstieg nahm ich das Tempo raus und wartete auf den Angriff von Tefera. Doch der kam nicht, weshalb ich am Ende des Hügels selber attackierte.» Schnell riss ein Loch auf, und Ädu konnte den Sieg sicher nach Hause laufen. «Die letzten 400 Meter konnte ich richtig geniessen. Wieder einmal ein Rennen zu gewinnen, war sehr cool. Der Lauf war super und sehr familiär organisiert. Ich hatte grossen Spass und bin wohl nicht das letzte Mal am Steinhölzlilauf gestartet.»

GEGLÜCKTES COMEBACK IN BERLIN

Das Marathoncomeback von Ädu ist geglückt. Er beendete den Berlin Marathon in der drittbesten Zeit seiner Karriere und unterbot mit 2:16.10 Stunden die Limite für’s Nationalkader um 20 Sekunden.

Erstmals seit Herbst 2017 stand Ädu am Sonntag, 29. September, wieder hinter der Startlinie eines Marathons. Nach zweijähriger Absenz war der Druck gross. «Um im Nationalkader zu verbleiben und weiterhin als Profi leben und trainieren zu können, musste ich die Limite von 2:16.30 Stunden unterbieten. Nach dem missglückten Halbmarathon in Tallinn war ich verständlicherweise etwas verunsichert.» Zwischen den Rennen in Berlin und Tallinn lagen nur drei Wochen. Nach der Frustbewältigung startete ich topmotiviert in die letzte Phase der Marathonvorbereitung. Sowohl über 8x1000m als auch beim letzten Longrun über 30 Kilometer erzielte ich Spitzenwerte, was mir Sicherheit und Selbstvertrauen gab. Dennoch hatte ich immer wieder Zweifel. Würde die Vorbereitung reichen, um einen Marathon in der angepeilten Pace durchzulaufen?» Auch die letzte harte Einheit, welche Läufe über 4 sowie zweimal 3 Kilometer beinhaltete, verlief sehr gut. Fortan stand die mentale Arbeit im Zentrum. «Meine Mentaltrainerin half mir zu akzeptieren, dass mein Weg zum Berlin Marathon ein anderer war als in der Vergangenheit. Ich versuchte, mich nicht auf Facts und Trainingswerte, sondern nur auf mein Gefühl zu konzentrieren. Die letzten Tage vor dem Rennen war ich angespannt und schlief schlecht. Ich versuchte, die Verunsicherung gegenüber meinem Umfeld so gut wie möglich herunterzuspielen und zu vertuschen.»

Der ersehnte Befreiungsschlag

Nach der Ankunft in Berlin schien die Anspannung wie verflogen. Ädu schlief erstmals 12.5 Stunden durch. «Am Morgen vor dem Rennen war ich überraschenderweise weder sehr nervös noch übermässig vorfreudig. Nach dem Startschuss versuchte ich mich fortan auf mich und meine Aufgaben zu konzentrieren und die negativen Gedanken auszublenden.» Ädu reihte sich in der Gruppe, die eine Endzeit von 2:15.30 Stunden anpeilte, ganz hinten ein und fand einen guten Rhythmus. «Auch wenn diese Pace etwas schnell war, fühlte ich mich gut und konnte im Windschatten mitlaufen. Die ersten 15 bis 20 Kilometer lief auch mein Trainingskollege und Freund Marcel Berni, mit dem ich einen Grossteil meiner Marathonvorbereitung bestritten hatte, in dieser Gruppe. Unterwegs versuchte ich mich stets auf positive Aspekte wie das Gefühl oder die Stimmung zu fokussieren. Nach Kilometer 29 folgte eine Rückenwindpassage. Ich übernahm das Zepter der Gruppe und fühlte mich bis Kilometer 35 sehr gut. Doch dann kehrte der Wind und es wurde schlagartig sehr hart. Ich versuchte locker zu bleiben und negative Gedanken zu verdrängen. Dabei half mir das Wissen, dass auf den letzten Kilometern stets jemand aus meiner Familie oder meinem Fanclub auf mich wartete» Als endlich das Brandenburger Tor in Sichtweite kam, schien das Ziel zum Greifen nah. «Ich musste jedoch noch einmal richtig beissen und konnte den Zieleinlauf überhaupt nicht geniessen. Im Ziel war ich total leer und wurde vorerst von Sanitätern betreut.» Emotional wurde es erst, als Ädu nach der Zielpassage seinen weinenden Vater und Coach Ueli erblickte. «Da war es auch um mich geschehen. Das war ein sehr schöner Moment für uns beide. Endlich war uns der ersehnte Befreiungsschlag gelungen.» Trotz nicht idealer Vorbereitung, in der er maximal 135 Kilometer gelaufen war, schaffte Ädu in 2:16.10 Stunden die drittbeste Zeit seiner Karriere. «Das ist ein sehr gutes Resultat, auf das ich stolz sein kann. Dass es erst für 35 gute Kilometer gereicht hat, lässt sich mit dem Trainingsrückstand begründen. Die letzten sieben Kilometer bin ich mit dem Kopf gelaufen.» Drei Wochen lang wird Ädu die Laufschuhe im Schrank lassen und seinem Körper die nötige Erholung geben. «Ich freue mich, danach weiterzufahren und meine nächsten Ziele zu verfolgen. Das war ein schöner, motivierender Schritt nach vorne. Mit einem noch besseren Aufbau liegt deutlich mehr drin. Mein Weg nach Berlin war zwar ein anderer als noch vor zwei Jahren, aber dennoch ein erfolgreicher.» 

ZWEI HÖHENTRAININGSBLÖCKE

Im Hinblick auf den Berlin Marathon vom 29. September absolvierte Ädu im Sommer erstmals zwei vierwöchige Höhentrainingslagerblöcke in St. Moritz. Während im ersten Block der Longrun im Fokus stand, wurde im zweiten an der Tempohärte gearbeitet.

Ziel des ersten Blockes, der vom 29. Juni bis 28. Juli dauerte, war es, sich weder an den Longrun heranzutasten. «Einerseits habe ich im 4-Wochen-Zyklus den Gesamtumfang an Laufkilometern gesteigert. Andererseits habe ich wieder vereinzelt Longruns absolviert, die mit der Zeit immer länger wurden.» Erfreulicherweise machte der Körper mit. «Das Training verlief planmässig. Ich konnte mich von Woche zu Woche steigern und kam so auf ein Maximum von 135 Laufkilometer. Den längsten Lauf in dieser Phase absolvierte ich gemeinsam mit Tadesse Abraham und dem belgischen 10’000-Meter-Läufer Bashir Abdi, wobei wir den Lauf gesteigert absolvierten. Vor dieser Herausforderung, die ich schliesslich gut meisterte, war ich wirklich etwas nervös.» In der dritten Trainingslagerwoche nahm Ädu als Standortbestimmung am Ägeriseelauf teil. Die erste Hälfte des Rennens über 14 Kilometer absolvierte der 29-Jährige gemeinsam mit seinem Trainingskollegen und Mitbewohner Marcel Berni. «Auf der zweiten Rennhälfte machten sich die fehlende Tempohärte sowie die fehlenden schnellen Einheiten bemerkbar und ich musste abreissen lassen. Auch wenn ich mit dem Resultat noch nicht zufrieden sein konnte, war ich froh, dass mein Körper das erste flache Rennen so gut überstanden hatte.» Besonders positiv erlebte Ädu im ersten Trainingsblock die Zusammenarbeit mit Tadesse Abraham und dem ehemaligen Marathon-Nationaltrainer Luigi Nonella. «Mit Tade zu trainieren ist immer sehr inspirierend. Auch wenn wir nur wenige Einheiten gemeinsam absolvieren konnten, half es mir extrem, seine Lockerheit und Einstellung zu spüren. Luigi versuchte uns in jedem möglichen Bereich zu unterstützen.»

Erstmals zwei Trainingslagerblöcke in natürlicher Höhe

Nach dem ersten Höhenblock folgte eine zweiwöchige Zwischenphase in Bern. «In dieser Zeit versuchten wir, an der Schnelligkeit zu arbeiten. Ich absolvierte Belastungen wie 10x400m am Hügel oder 10x200m auf der Bahn. Zum Abschluss des Schnelligkeitsblocks startete ich am Sommermeeting in Langenthal über 3’000m. Mit der Zeit von 8:39 Minuten konnte ich nicht zufrieden sein. Dennoch war es schön, wieder einmal ein Renen für mich entscheiden zu können.» Vom 10. August bis am 6. September folgte der zweite Höhenblock. «Erstmals absolvierte ich in der Marathonvorbereitung zwei Blöcke in natürlicher Höhe. Der Fokus lag nun auf der Tempohärte bei den langen Läufen.» So standen viele lange Intervalle wie beispielsweise 4x4km und 3×2 km oder Longruns mit schneller Grundpace und Erdbeschleunigung an. «Während ich in den Intervalleinheiten nicht immer mit meinen Trainingspartnern Marcel Berni, Patrik Wägeli oder Andreas Kempf mithalten konnte, tankte ich in den Longruns Selbstvertrauen. Dennoch konnte ich meinen Formstand nicht einschätzen.» In der letzten Trainingslagerwoche absolvierte er einen 38 Kilometer langen Dauerlauf nüchtern und lediglich mit Wasser als Verpflegung. «Ziel ist es, den Körper mit so einer Einheit komplett zu entleeren. Ich war dabei 2 Stunden und 37 Minuten unterwegs – wahrlich eine grosse Herausforderung.»

Misslungenen Standortbestimmung in Tallinn

Als letzte Standortbestimmung vor dem Berlin Marathon diente ein Halbmarathon in Tallinn. Direkt aus der Höhe reiste Ädu nach Estland. Auf einer nicht ganz ebenen Strecke und bei leichtem Wind erfolgte am Sonntagmorgen der Startschuss. «Die Bedingungen waren ok und ich fühlte mich gut. Gemeinsam mit David Nilsson aus Schweden nahm ich das Rennen in 3:05 Minuten Pace in Angriff. Doch schon nach drei, vier Kilometern merkte ich, dass mir das Tempo zu schnell wurde. Von da an war ich alleine unterwegs. Zwischen Kilometer fünf und 10 fiel ich in die Marathonpace, aus der ich nicht mehr herausfand. Weder von hinten noch von vorne wurde ich richtig gefordert, weshalb es mir besonders schwerfiel, aus diesem Rhythmus rauszukommen. Schon nach Rennhälfte war klar, dass eine gute Zeit nicht mehr möglich war. Ich versuchte mich zwar bei Laune zu halten und zu motivieren, schaffte dies aber nur bedingt.» Nach 68:05 erreichte Ädu schliesslich das Ziel. «Die Enttäuschung war riesig. Vom Gefühl her hätte ich noch einige Zeit in dieser Pace weiterlaufen können, schneller ging es aber nicht. Aus diesem schlechten Rennen heraus entstand viel Frust und gleichzeitig Motivation.»

WETTKAMPF-COMEBACK ANLÄSSLICH DER BERGLAUF-SM

Am Sonntag nahm Ädu auf seinem Weg zurück zum Marathon erstmals an einer Berglauf-SM teil. Der Berglauf von Neirivue auf den Moléson war gleichzeitig Selektionslauf für die Heim-EM, die am 7. Juli in Zermatt stattfindet.

Nach über einem Jahr Wettkampfpause war es am Sonntag so weit: Endlich stand Ädu wieder im Wettkampfdress hinter der Startlinie. «Nur schon die Startnummer zu befestigen, war ein extrem tolles Gefühl. Die Anspannung vor dem Rennen war ungewohnt hoch und ich konnte es kaum erwarten, endlich loslaufen zu dürfen.» Der Berglauf führt über eine Distanz von 10.6 Kilometer und 1’290 Höhenmeter von Neirivue im Kanton Fribourg auf den Moléson. Da die Berglauf-Schweizermeisterschaften in diesem Jahr als Selektionslauf für die Heim-EM in Zermatt galten, war der Wettkampf stark besetzt. Auf seinem Weg zurück zum Marathontraining hatte Ädu in den vergangenen Wochen jeweils eine der zwei wöchentlichen Laufbelastungen am Berg absolviert. «Dadurch machte es durchaus Sinn, meinen Wiedereinstieg auf die Wettkampfbühne am Berg zu absolvieren. Im Vorfeld hatte ich mir die Strecke angesehen und mich so gut wie möglich auf diese spezielle Herausforderung vorbereitet.» Dennoch musste Ädu am Sonntag einsehen, dass der Berglauf eine eigene Sportart mit spezifischen Herausforderungen ist. «Aufgrund der starken Regenfälle vom Samstag war der Boden nass und teilweise auch tief wie bei einem Crosslauf. Dadurch wurde der Wettkampf technischer und langsamer, was mir nicht unbedingt entgegenkam. Die Single-Trails hatte ich im Vorfeld unterschätzt und auch in den steilen Abschnitten war ich gegen die Spezialisten chancenlos. Das sind alles Aspekte, die man trainieren müsste, um vorne mitlaufen zu können.»

Erstes Höhentrainingslager steht an

Der Blick auf die Rangliste stimmte ihn dennoch positiv. Mit Gesamtrang 12 und Rang 8 in der SM-Wertung gelang dem Langenthaler ein beachtliches Resultat. «Es wäre sicher noch mehr möglich gewesen. Ich habe es noch nicht geschafft, das Maximum aus meiner momentanen Leistungsfähigkeit herauszuholen, weil mir schlichtweg die Wettkampfhärte fehlt. Dennoch konnte ich gute Bergläufer hinter mir lassen, was mich natürlich auch ein wenig stolz macht.» Auf den neuen Schweizermeister Rémi Bonnet (Team Salomon) verlor Ädu weniger als fünf Minuten. «Die Berglauf-SM war eine coole Erfahrung und etwas ganz anders, als die flachen, schnellen Rennen. Bei einer erneuten Teilnahme würde ich mich besser vorbereiten. Nun freue ich mich, den Fokus wieder auf das Marathontraining zu legen.» In zwei Wochen wird er in St. Moritz ein erstes vierwöchiges Höhentrainingslager absolvieren. «Die Berglaufbelastung wird durch eine flache Belastung ausgewechselt und der Longrun soll nun von Woche zu Woche länger werden. In den nächsten sechs Wochen möchte ich die Basis für einen Marathonstart legen und hoffe, dass mein Körper die höhere Belastung tolerieren kann.» Voraussichtlich wird Ädu am 19. Juli am Ägeriseelauf teilnehmen. «Es ist wichtig, dass ich nach meiner langen Absenz wieder Wettkampferfahrungen sammeln kann.»

DER AUFWÄRTSTREND HÄLT AN

Das lange Warten hat endlich ein Ende: Seit Montag kann Ädu wieder Laufbelastungen absolvieren. Umfang und Intensität der Laufeinheiten sollen nun langsam gesteigert werden.

In den vergangenen Monaten und Wochen war viel Geduld gefragt. Rückschläge machten Ädu das Leben schwer und verhinderten ein gezieltes Lauftraining. Seit anfangs April geht es aber endlich aufwärts. Zwei Wochen vor Ostern reiste Ädu mit der LV Langenthal ins Vereinstrainingslager nach Medulin. Anders als in den Vorjahren standen für ihn lediglich drei Lauftrainings auf dem Plan. Die restlichen Einheiten absolvierte der 29-Jährige auf dem Rennvelo, im Wasser oder auf dem Spinning-Velo. «Für einmal stand nicht das Training an oberster Stelle. Ich verbrachte viel Zeit mit meinen Kollegen und konnte das Lager in vollen Zügen geniessen.»

Zwei Belastungen pro Woche

Nachdem die Laufeinheiten und deren Umfänge in den darauffolgenden Wochen langsam gesteigert wurden, absolvierte Ädu diese Woche die ersten Laufbelastungen. «Pro Woche plane ich nun wieder mit zwei Belastungen. Die intensivere davon absolviere ich am Berg, um dadurch die Schläge auf den Körper zu minimieren. Die zweite Belastung findet im Flachen bei moderatem Tempo statt. Ziel ist es, mich nun Schritt für Schritt der schnelleren Pace anzunähern.» Momentan absolviert Ädu fünf Laufeinheiten pro Woche. Die restlichen sieben Einheiten finden auf dem Rad oder im Wasser statt. «Das Laufen fühlt sich gut an. Während die Herzfrequenz bereits wieder in einem erfreulichen Bereich ist, ermüdet mein Körper noch viel früher und stärker als vor der Verletzungspause. Er muss sich nun langsam wieder an die höhere Pace gewöhnen.» Der geplante Aufbau dauert sechs bis sieben Wochen. «Ziel ist es, am Ende dieses Aufbaus mit dem Marathontraining zu beginnen. Ich muss fähig sein, zwei Belastungen sowie einen Longrun absolvieren zu können und wieder an sechs Tagen die Woche zu laufen. Langsam aber sicher fühle ich mich wieder wie ein Spitzensportler. Ich habe wieder klare Tagesstrukturen, trainiere fast täglich zweimal und bin abends todmüde.» Im Sommer sind zwei vierwöchige Höhentrainingslager in St. Moritz geplant. «Im Engadin will ich wieder richtig trainieren können», so Ädu.

ES GEHT AUFWÄRTS

Fast ein Jahr ist es her, als bei Ädu ein Ermüdungsbruch im Darmbein diagnostiziert wurde. Seit Januar geht es endlich wieder aufwärts.

Mehrfach hatte Ädu in den vergangenen Monaten das Lauftraining aufgenommen und langsam gesteigert, doch die Schmerzen im Darmbein kehrten immer wieder zurück. Seit Januar gibt es neue medizinische Erkenntnisse. «Dank den neuen Behandlungsmethoden geht es mir nun massiv besser. Ich bin schmerzfrei und beweglich. Nachdem ich den Trainingsumfang mit alternativen Einheiten gesteigert habe, starte ich nun wieder mit Lauftrainings.» Ädu fühlt sich so gut, dass er bereits eine erste Prognose betreffend Wiedereinstieg in die Wettkampfsaison wagt. «Nach fünf Wochen Aufbautraining folgt eine Erholungswoche. Anschliessend beginne ich mit dem eigentlichen Training. Ziel ist es nach weiteren sechs Wochen den ersten Wettkampf zu absolvieren.»

«Running Berlin»

Langweilig ist es Ädu in den letzten Wochen auch ohne Lauftrainings nicht geworden. «Ich habe viel gearbeitet – sei es für meinen Ausrüster ASICS, wo ich bei Schulungen dabei war, mit dem Halten von Referaten oder bei der Eröffnung einer Ochsner Sport Pro Filiale, bei der ich mithelfen durfte. Mit all diesen Tätigkeiten konnte ich Geld verdienen, sodass ich mich beim Wiedereinstieg in den Spitzensportalltag wieder voll und ganz aufs Laufen fokussieren kann.» Das neuste Projekt, welches Ädu gemeinsam mit dem Fitnessexperten Nik Jud von UNIK Sports realisiert, heisst «Running Berlin». «Vom Freitag 17. bis Sonntag 19. Mai bieten wir ein intensives Wochenende in der deutschen Hauptstadt an. Wir wollen die Stadt in zwei Leistungsgruppen joggend erleben aber auch Theorieblocks einbauen und so Know-How aus dem Laufsport sowie dem Bereich Fitness vermitteln.» Daneben bleibt aber auch Zeit und Raum für einen Ausflug in die «Berliner Unterwelten», das Geniessen des Nachtlebens, das Entdecken der kulinarischen Besonderheiten Berlins sowie für individuelle Touren. «Ich habe tolle Erinnerungen an Berlin, wo ich schon mehrere Bestzeiten aufgestellt habe. Ziel ist es, bei den Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.»

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